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28.02.2026 - Erding

Würdigung von Maria Adelheid Gräfin von Rivera in Erding

(Foto: rr)

Scharf: „FrauenOrte in Bayern würdigen Engagement und Lebensleistung“


Stadt Erding macht Wirken von Maria Adelheid Gräfin von Rivera in Bayerns Geschichte sichtbar.

Die Stadt Erding ehrt Maria Adelheid Gräfin von Rivera mit einer besonderen Würdigung: Ein offizielles Signet am neu eingerichteten FrauenOrt weist ab sofort auf das außergewöhnliche Lebenswerk von Maria Adelheid Gräfin von Rivera hin. Damit wird ihr Wirken für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht und in den Fokus der regionalen Erinnerungskultur gerückt.

Sozialministerin Ulrike Scharf betont: „Mit dem Signet am FrauenOrt am Rivera-Palais an der Münchener Straße in Erding werden das Engagement und die Lebensleistung von Maria Adelheid Gräfin von Rivera auf besondere Weise gewürdigt. Die Plakette ist weit mehr als ein Symbol – sie macht Mut, Stärke und Tatkraft von Frauen im öffentlichen Raum sichtbar und zeigt: Frauen haben Bayern in allen Epochen entscheidend mitgeprägt. Sie haben Spuren hinterlassen – in Bayern und darüber hinaus. Die FrauenOrte tragen dazu bei, die Rolle von Frauen in der Gesellschaft sichtbarer zu machen.“

Der FrauenOrt in Erding steht für das beeindruckende Wirken von Maria Adelheid Gräfin von Rivera, die in ihrer Zeit und darüber hinaus als Vorbild für Selbstbestimmung und respektvolles Miteinander gilt. Die feierliche Einweihung und die Anbringung des Signets macht ihre Geschichte für Bürgerinnen und Bürger greifbar und lädt dazu ein, sich mit weiblichen Vorbildern auseinanderzusetzen.

Ministerin Scharf weiter: „Veränderung beginnt bei jeder und jedem von uns. Als Frauenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung sage ich: Gleichstellung bedeutet, alte Muster aufzubrechen und mutig neue Wege zu gehen. FrauenOrte stehen für starke Frauen, und sie stehen für eine Haltung, die heute aktueller denn je ist: Gestalten statt Zögern. Anpacken statt Abwarten. Auftreten statt Wegducken. Mein besonderer Dank gilt der Großen Kreisstadt Erding, die mit der Einweihung dieses FrauenOrtes ein deutliches Zeichen für Gleichberechtigung und Sichtbarkeit setzt.“

Erdings Oberbürgermeister Max Gotz freut sich über den Frauenort in seiner Stadt: „Ich bin mir sicher, dass die allermeisten Erdinger zwar das Rivera-Palais kennen, aber kaum die große soziale Leistung der Gräfin: Waisenkindern die wichtigsten Lebensgrundlagen zu geben und gerade in damaligen so schweren Zeiten die Chance auf ein einigermaßen würdevolles Leben zu ermöglichen. Die Würdigung der Gräfin von Rivera ist ein Fingerzeig in unsere Zeit.“

Der ausgezeichnete FrauenOrt in Erding ist Teil der landesweiten Initiative „FrauenOrte in Bayern“, die vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales ins Leben gerufen wurde. Die dazugehörige Online-Plattform präsentiert zahlreiche inspirierende Lebensgeschichten und macht das Wirken bedeutender Frauenpersönlichkeiten für alle erlebbar. Interessierte können auf der Website FrauenOrte die Wege dieser und vieler anderer Frauen verfolgen und sich über die historischen FrauenOrte in Bayern informieren.

Zur Person Maria Adelheid Gräfin von Rivera:


Sie bewies großes geschäftliches Geschick: Sie verwaltete die Ländereien ihres zweiten Mannes. Nach dessen Tod baute sie sich in Erding ein stattliches Palais und stiftete ein Waisenhaus. Frauen als Bauherrinnen sind in der Barockzeit ausgesprochen selten. Dennoch wurde mit dem Rivera-Palais eines der stattlichsten Häuser in Erding von einer Frau erbaut: Marie Adelheid Theresa Gräfin von Rivera. Die in Hohenaschau im Chiemgau geborene Adelige war zunächst mit einem Grafen aus Lothringen verheiratet, der aber nach nur vierjähriger Ehe starb. Zwei Jahre später heiratete sie zum zweiten Mal: Johann Baptist Simeon de Balbi Graf Rivera, Kommandeur der Leibgarde des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel. Rivera erkannte das geschäftliche Geschick seiner Frau und übertrug ihr die Verwaltung vieler Ländereien.

Nach der Geburt seiner Tochter ließ der Graf für seine Familie an der vornehmen Münchner Theatinerstraße ein stattliches Wohnhaus bauen. Mit der Planung beauftragte er den Hofbaumeister des Kurfürsten, Giovanni Antonio Viscardi. Den Einzug in dieses Palais erlebte der Graf allerdings nicht mehr. Er fiel 1695 bei kriegerischen Auseinandersetzungen in der Pfalz.

Maria Adelheid Gräfin von Rivera zog zwar 1697 noch in das Stadtpalais ein. Doch das Leben in München behagte ihr nicht. 1710 entschied sie sich für einen Umzug ins beschaulichere Erding. Dass sie auch hier Giovanni Antonio Viscardi für den Bau eines Wohnhauses gewinnen konnte, spricht nicht nur für das Vermögen, sondern auch für den erheblichen Einfluss, über den die Gräfin auch nach dem Tod ihres Mannes verfügte. Häufig waren Gäste des kurfürstlichen Hofs, aber auch der Bischof von Freising bei ihr zugegen.

Vor dem Hintergrund des Spanischen Erbfolgekriegs trat die verwitwete Gräfin auch als Wohltäterin hervor. Der Krieg hatte in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts in Bayern zu einem Volksaufstand geführt, der viele Familien auseinandergerissen hatte. Deshalb stiftete sie 1722 das erste Erdinger Waisenhaus. Allerdings bestand es nur bis 1740. Das Rivera-Palais aber, in dem sie gelebt hatte, zählt bis heute zu den bedeutendsten weltlichen Barockbauten in Bayern.
(Foto: rr)
(Foto: rr)

(Foto: rr)
(Foto: rr)

(Foto: rr)

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales

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