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28.09.2020 - Erding

Interview mit Heike Kronseder - Erster Vorstand des Historischen Vereins Erding

Dr. phil. Heike Kronseder M.A.

Dr. phil. Heike Kronseder M.A.

Frau Dr. phil. Heike Kronseder M.A. aus Wartenberg ist promovierte Kunsthistorikerin, leitet das Franz Xaver Stahl Museum in Erding und ist der erste Vorstand des Historischen Vereins in Erding. Im anschließenden Interview erfährt man mehr über ihre Person und den Historischen Verein Erding.

ED-live.de:
Frau Kronseder, vielen Dank für Ihre Zeit hinsichtlich dieses Interviews.
Sie sind ja Vorstand des Historischen Vereins Erding. Waren Sie schon immer an Geschichte interessiert?


Ja, seit dem Gymnasium habe ich mich für Geschichte interessiert. Es wurde mir in die Wiege gelegt, weil meine Eltern mit uns Mädels – ich habe drei Schwestern – in Museen waren, die Schlösser und viele Ausstellungen besucht haben und mein Vater ehrenamtlicher Leiter des Heimatmuseums Erding war. Kunst und Geschichte war immer Thema bei uns! Mein Vater hat den Historischen Verein Erding 1978 gegründet, ich leite ihn nun seit 1998.

ED-live.de:
Waren Sie schon vorher in diesem Verein aktiv? Wenn ja, seit wann und welche Aufgaben bzw. Positionen haben Sie vorher ausgeübt?


Ich war schon am Historischen Verein interessiert, als ihn mein Vater 1978 gründete. Bei den Kultur-Fahrten mit dem Bus (schon damals waren es im Jahr etwa 15 Fahrten) war ich oft dabei. Später dann, als ich gerade erst Kunstgeschichte studierte, hielt ich vor einem sehr großen Publikum meinen ersten öffentlichen Vortrag. Weitere Vorträge folgten – dies ist so geblieben auch als ich dann selbst ab 1998 zur 1. Vorsitzenden gewählt wurde.

ED-live.de:
Hat sich durch die Corona-Pandemie etwas an der Arbeit als Vorstand geändert?


Ja, wir vermissen die schönen Vereinszusammenkünfte. Wir vermissen das lockere und zwanglose Vereinsleben. Wir hatten immer volle Busse bei unseren Kulturfahrten und wir hatten volle Säle bei den Vortragsabenden – das alles ist nun auf Eis gelegt und fehlt uns sehr.
Wir können derzeit guten Gewissens nichts anbieten. Wir, das ist der Vorstand, müssen Sorge tragen, dass unsere Mitglieder gesund bleiben.
Kleine Versammlungen mit 10 Personen machen bei einem Verein mit über 420 Mitgliedern keinen Sinn – wir mögen die lieben Mitglieder nicht vor den Kopf stoßen indem wir viele ausschließen müssten.

ED-live.de:
Denken Sie, dass Ihr Leben bzw. Ihre Kindheit ohne das Wissen der Vergangenheit anders verlaufen wäre? War Ihre Kindheit also sehr von der Geschichte geprägt?


Unterbewusst war mir als Kind schon klar, dass wir es guthaben. Wenn meine Oma vom Krieg erzählte, den sie hautnah miterleben musste, wenn meine Eltern aus der Kindheit erzählen und wenn wir in Museen erfuhren, wie das Leben teilweise früher war, dann wurde uns schnell klar, dass wir in einer guten Zeit leben.

ED-live.de:
Ihr Vater hat ja 1978 den Historischen Verein Erding gegründet. Hat Ihre gesamte Familie Interesse daran gezeigt?


Ja, die ganze Familie war involviert: Meine Mutter hatte damals noch die Anmeldelisten für die Kulturfahrten geführt: das hieß, dass dauernd das Telefon läutete, wenn sich 50 Leute für die nächste Fahrt anmeldeten. Meine Mutter machte auch die Schreibarbeiten, alles noch mit der Schreibmaschine, abends, wenn wir Mädels im Bett waren. Bei Ausstellungen durften meine Schwestern und ich oft mithelfen an der Kasse beim Katalogverkauf oder bei Nachtwachen: Die Kunstausstellungen, die mein Vater organisierte, waren in großen Turnhallen und mussten nachts bewacht werden; wir durften dabei sein – das war toll!

Der Historische Verein ist eng mit unserer Familie verbunden; seit 1998 bin ich die 1. Vorsitzende! Der Verein ist voller netter Mitglieder, mittlerweile über 420!

ED-live.de:
Welches Jahrhundert bzw. welches historische Ereignis interessiert Sie am meisten?


Eigentlich interessiert mich jedes Jahrhundert. Am liebsten aber beschäftige ich mich mit dem 19. und 20. Jahrhundert und da besonders mit der Geschichte der Malerei. Künstlerbiografien sind meine Leidenschaft! Kunst kann nicht verstanden werden, wenn ich die relevanten Zeitumstände, die relevanten Künstlerbiografien nicht kenne.

ED-live.de:
Welche Meinung haben Sie zu Geschichtsunterricht in den Schulen? Wie stehen Sie zu einer Verstärkung dieses Unterrichts?


Wir können die Gegenwart nur verstehen, wenn wir die Geschichte kennen und auch die Zukunft können wir nur gestalten, wenn wir aus der Geschichte Erkenntnisse ziehen. Geschichtsunterricht beginnend in den Grundschulen, gerne auch schon spielerisch mit Museumsbesuchen im Kindergarten, halte ich für enorm wichtig. Ich finde, dass der Geschichtsunterricht ausgebaut werden müsste und unbedingt mehr Stunden im Lehrplan einzunehmen hat.

Zum Geschichtsunterricht gehören auch Exkursionen, Museumsbesuche, Ausstellungsbesuche, Projekte und vieles mehr; dafür scheint zu wenig Zeit in den Bildungseinrichtungen. Das ist schade!

ED-live.de:
Wie finden Sie den Vorschlag, den Kindern im Kindergarten schon über unsere Vergangenheit zu lehren?


Der Vorschlag ist klasse! Das trifft genau meine Meinung: Spielerisch beschäftigen sich die Kinder gerne mit Geschichte: Da kann man ihnen vorlesen, da kann man Bildmaterial zeigen, da kann man vor allem aber mit den Kindern ins Museum oder zu historischen Stätten gehen.

Ich erlebe so oft den großen Spaß der Kindergartenkinder, wenn sie zu mir ins Museum Franz Xaver Stahl kommen und fasziniert vor den Tierbildern stehen, Schränke öffnen dürfen und nachspüren können, wie das Leben früher in den Erdinger Bürgerhäusern war; oder Spielzeug von anno dazumal betrachten und den Unterschied zum heutigen Spielzeug erkennen.

Oder wenn es den Kleinen auffällt, dass so ein Wohnzimmer aus dem 19. Jahrhundert ganz anders ist als die Wohnzimmer heute. Total fasziniert war ich vor einigen Jahren, als ein dreieinhalb Jähriger, der mit seiner Kindergartengruppe im Museum Franz Xaver Stahl war, ein Tierbild „analysierte“ – das war voller Kreativität, neuer Wortschöpfungen, Entdeckungen im Bild…, es war herrlich!

ED-live.de:
Was war Ihr liebstes Schulfach? Schon Geschichte oder ?


Ach ja, lang ist´s her (ich bin Jahrgang 1964), aber Geschichte war nicht mein liebstes Fach. Die Lieblingsfächer wechselten von Jahr zu Jahr – das kam dann immer auf viele Faktoren an: Welche Lehre man hatte, wer neben einem saß… und solche Dinge.

ED-live.de:
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kunstwissenschaftlerin zu werden?


Das war Zufall oder Fügung…? Eigentlich hatte ich von der 2. Klassen an bis zum Abitur den festen Plan Lehrerin zu werden. Das wussten auch meine Lehrer und so musste ich nie an Berufsberatung-Info-Veranstaltungen teilnehmen. Als ich dann die mündliche Abiturprüfung im Fach Musik ablegte, war ich so gut, dass der Prüfer meinte, ich solle doch Musikgeschichte studieren.

Sogleich kaufte ich mir den Studienführer der Uni München und sah nach was denn da die Voraussetzungen wären…und während ich blätterte, entdeckte ich, dass man am der LMU „Kunstgeschichte“ mit zwei frei wählbaren Nebenfächern studieren kann. Da war klar, dass das mein künftiger Beruf sein wird.

Das Studium war toll, ich hatte fantastische Professoren und bin noch heute der Meinung, dass ich den schönsten Beruf der Welt habe.

ED-live.de:
Sie haben 1993 Ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Untersuchungen zum Typus der Schiffs- und Fischer-Kanzeln in Mitteleuropa“ geschrieben. Wie kamen Sie auf dieses Thema?


Den sonderbaren und eigentümlichen Typus der Kanzeln in Form eines Schiffes haben wir im Landkreis gleich zweimal. Ich kannte dazu von den Kulturfahrten des Historischen Vereins noch Kanzeln in Schiff-Form aus Österreich und eine, die im Buch „Moby Dick“ beschrieben wird. Ich fand diese Kanzeln wunderschön – tue ich noch heute! Als das Thema dann von der Uni angenommen wurde, und ich mit den Forschungen begann, entdeckte und erforschte ich in Mitteleuropa 110 dieser wunderbaren Schiffs- und Fischerkanzeln. Entstanden ist eine dreibändige Dissertation mit 437 Seiten.

ED-live.de:
Haben Sie einen lieblingshistorischen Platz / ein lieblingshistorisches Gebäude in Erding?


In Erding ist die gesamte Altstadt ein Lieblingsplatz; das ist Heimat, das ist Tradition, das ist Vergnügen, da ist es schön!

ED-live.de.
Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Möglichkeit, eine Zeitreise in die Vergangenheit zu machen. Wohin würde Sie die Reise führen?


Da muss ich nicht lange überlegen, denn ich möchte in keinem Falle eine Zeitreise machen: Ich mag nirgends anders leben als in Bayern und in der Gegenwart – ich mag mein Leben so wie es ist sehr gerne!

ED-live.de:
Wenn Sie eine berühmte Persönlichkeit (egal ob lebendig oder tot) treffen dürften: Wer wäre es und warum?


Ich hätte mich sehr gerne mit dem im Mai 2014 verstorbenen Kunstsammler und Gemäldeliebhaber Cornelius Gurlitt persönlich unterhalten. Niemand weiß, warum er 1500 wunderbare, geschichtsträchtige und für die Kunstgeschichte bedeutende Gemälde in seiner Schwabinger Wohnung hortete. Er kannte zu vielen dieser Bilder die Geschichte, er hätte so viel zu erzählen gehabt und war so menschenscheu. Ich hätte sehr gerne mit ihm gesprochen.

ED-live.de:
Die Jugend ist ein sehr wichtiger Faktor in einem Vereinsleben. Welche Pläne habt Ihr, um die Jugend dazu zu bewegen, sich Euch noch mehr anzuschließen?


Seit jeher hat der Historische Verein Angebote für Kinder und Jugendliche im Programm, die auch gut angenommen werden. Wir bieten auch immer ein Ferienprogramm an. Unsere Veranstaltungsflyer liegen überall aus, auch in Schulen und dort wo Kinder und Jugendliche sich aufhalten. Wir haben 1999 den Forscherpreis des Historischen Vereins Erding ausgelobt und seither jedes Jahr beworben; da können sich auch Jugendliche, Schüler, forschende junge Menschen bewerben und erhalten für ihre Forschung zu Erdings Geschichte 250,- € und eine schöne Veröffentlichung.

ED-live.de:
Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie als Vorsitzende für den Verein?


Der Historische Verein Erding e.V. ist einer der größten Kulturvereine im Landkreis Erding und bietet seit 43 Jahren ein vielfältiges Jahresprogramm mit immer mindesten 25 bis 30 Veranstaltungen pro Jahr an. Mit dem Historischen Verein kann man die Heimat kennenlernen, hier kann man sich treffen, hier kann man Freundschaften schließen und pflegen, hier kann man sich fortbilden! Unsere Vorträge sind für jedermann zugänglich und kosten keinen Eintritt.

Der Historische Verein ist ein wichtiger Baustein im kulturellen und sozialen Gesellschaftsleben Erdings!
Einzige Herausforderung ist derzeit Corona. Aber das werden wir meistern!

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen Ihnen auch weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit!

Quelle: Redaktion weitere Nachrichten aus:

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