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Interview mit dem Hospizverein


Logo Hospizverein

Der Christophorus Hospizverein begleitet schwerstkranke, sterbende Menschen und ihre Familien auf ihrem letzten Lebensweg und bietet Unterstützung in allen Lebensbereichen. Der überkonfessionelle Verein steht für Toleranz und Respekt gegenüber jeder religiösen/spirituellen Ausrichtung und unterstützt Menschen zu Hause, im Krankenhaus oder im Altenheim. Wir von ED-live.de hatten die Möglichkeit, Frau Rott und Frau Unangst über dieses ganz besondere Ehrenamt zu interviewen!


ED-Live.de: Frau Rott, wann und von wem wurde der Hospizverein in Erding gegründet?
Die Gründung war 1994, dieses Jahr feiern wir also schon unser 20-jähriges Bestehen. Der Gründer des Hospizvereins war Dr. Jürgen Bickhardt.

Wie viele ehrenamtliche Helfer sind denn derzeit im Hospizverein tätig?
Das sind jetzt 35 aktive ehrenamtliche Hospizbegleiter und Begleiterinnen.

Mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen?
Unsere Kooperationspartner sind die Seniorenheime, Pflegedienste, die Palliativstation in Wartenberg, die onkologische Station in Dorfen und die Nachbarschaftshilfe. Außerdem kooperieren wir intensiv mit dem ambulanten Kinderhospiz München (AKM).

Wodurch wird der Hospizverein finanziert?
Er finanziert sich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und erhält gemäß §39a einen Zuschuss von den Krankenkassen. Mit diesem Zuschuss werden unter anderem auch die Kosten für Schulungen gedeckt. Allerdings muss ergänzt werden, dass wir den Zuschuss nur von den gesetzlichen Krankenkassen erhalten, nicht von den privaten.

Hospizverein Erding
Welche Angebote bietet der Hospizverein?
Die Betreuung von schwerstkranken, sterbenden Menschen und ihren Familien und die Unterstützung in allen Lebensbereichen. Außerdem bieten wir kostenlose Informationsstunden über die Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht an und arbeiten auch sehr intensiv in der Trauerarbeit. Wir haben z.B. ein Trauercafé, welches jeden 3. Samstag in den Räumen des Hospizvereines stattfindet. Weiter bieten wir Trauereinzelbegleitungen an, sowie eine Trauergruppe, welche meistens über die Wintermonate stattfindet. Das ist die Zeit, in der die Trauer für viele am schlimmsten wahrgenommen wird.

Kommen Menschen jeder Altersklasse zu Ihnen?
Ja, von jungen Menschen bis ins hohe Alter ist jede Generation bei uns vertreten.

Ist es nicht sehr schwer, privates von beruflichem zu trennen?
Natürlich geht einem ein Todesfall immer nahe und manchmal nimmt man das auch mit nach Hause. Nach jeder Begleitung steht deshalb den Ehrenamtlichen eine Auszeit zu, um wieder etwas Abstand zu gewinnen.

Betreuen die Ehrenamtlichen immer nur einen Patienten?
Ja, meistens schon. Hin und wieder gibt es da auch Ausnahmen, z.B. wenn es einem Patienten wieder besser geht und die Besuchsintervalle länger werden.

Frau Unangst, aus welchem Grund haben Sie sich für das Ehrenamt entschieden?
Das war ein ganz persönlicher Grund, als der Onkel meines Mannes 1981 in einer Münchner Klinik ganz alleine am Vormittag gestorben ist. Ich wollte ihn am Nachmittag noch besuchen und fand es so schockierend, wenn man komplett alleine stirbt. Ab dem Zeitpunkt wollte ich unbedingt bei einer Einrichtung wie dem Hospizverein helfen, um genau so etwas zu vermeiden. Bei der Gründung 1994 war ich aber noch nicht so weit, es hat anfangs einfach noch nicht gepasst. Aber 2002 bin ich dann beigetreten und seitdem aktiv dabei!

Treten viele aus persönlichen Motiven dem Hospizverein bei?
Ja, viele kommen aus eigener Betroffenheit. Es gibt aber natürlich auch Menschen, die bei uns mitarbeiten, weil es ihnen selbst sehr gut geht und sie deshalb Betroffene unterstützen möchten.

Nehmen Sie auch an Schulungen teil?
Unsere Hospizhelfer werden in 8 Modulen über ein Jahr verteilt im Rahmen einer Hospizhelferschulung ausgebildet. Des Weiteren werden über einzelne Themen laufend Fortbildungen angeboten.

Benötigen Sie für das Amt spezielle Vorkenntnisse?
Nein, die Menschen kommen aus allen denkbaren Lebensbereichen und jeder bringt seine ganz eigenen Erfahrungen mit.

Also muss man keine Voraussetzungen erfüllen?
Nein, man braucht einfach viel Offenheit für das Thema Trauer, Tod und Sterben und muss natürlich mit beiden Beinen fest am Boden stehen und einen festen Standpunkt für sich selbst gefunden haben. Allerdings würden wir schon sagen, dass man mindestens 25 Jahre alt sein sollte. Das ist ein prägnanter Punkt im Leben, bei dem man auch bereits Lebenserfahrung gesammelt hat.

Welche Themen behandeln Sie, wenn Sie Schulklassen informieren?
Das hängt auch ganz individuell von dem ab, was die Schüler fragen. Bei unserem letzten Schulbesuch kam auch besonders oft die Frage auf, wie es uns selbst mit dem Thema Tod geht. Da trat vor allem die Sorge um den Menschen selbst hervor. Aber auch unser ethischer Aspekt wird oft hinterfragt.

Und wie verarbeiten Sie den ständigen Kontakt mit dem Tod?
Zum einen helfen wir uns auch als Gruppe. Wir haben 6-wöchige Supervisionen, welche von einem ausgebildeten Supervisor geleitet werden. In diesem Rahmen ist es möglich, über die Begleitungen zu sprechen und diese so ein Stück weit zu verarbeiten. Außerdem sind Gespräche mit Hospizkollegen und den Koordinatorinnen hilfreich. Wir stützen jeden Einzelnen, damit sich niemand alleingelassen fühlt.
Auf der anderen Seite hat natürlich jeder seine ganz individuelle Strategie, mit der Trauer umzugehen. Meistens hilft es auch, das Ganze in einem gewissen Abstand zu sehen und nicht so nahe an sich heranzulassen. Man muss versuchen, abzuschalten, sich einem Hobby, Familie und Freunden zu widmen und die kleine Auszeit zu nutzen, um so seinen „Akku“ wieder aufzuladen.

Frau Unangst, was bedeutet das Ehrenamt für Sie persönlich?
Ich möchte der Gesellschaft in erster Linie etwas zurückgeben.

Vielen herzlichen Dank für das Interview! Wir wünschen Ihnen auch weiterhin die Kraft und die Stärke für dieses wichtige Ehrenamt!

Kooperationen


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