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Interview mit der Leiterin des Frauenhauses Erding


Frauenhaus Erding
Das Frauenhaus Erding ist eine Einrichtung, die misshandelten oder bedrohten Frauen und ihren Kindern für eine Überzeit Schutz und eine Unterkunft bereitstellt. Dabei bieten sie auch telefonische Beratung an oder vermitteln bei Bedarf auch an geeignete Beratungsstellen weiter. Um den Frauen entgegenzukommen, ist die Beratung kostenlos und bleibt auch anonym. Zudem ist sie natürlich von Konfession und Nationalität völlig unabhängig.
Dieses besondere Ehrenamt hat uns von ED-live.de sofort angesprochen, sodass wir mit Frau Rupp als Interviewpartnerin viele interessante Informationen bekommen konnten! Im Frauenhaus arbeiten hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen zusammen.

ED-live.de: Frau Rupp, seit wann gibt es das Frauenhaus in Erding bereits?
Das sind jetzt gute 21 Jahre sein.

ED-live.de: Und wie viele Mitarbeiter sind dort derzeit beschäftigt?
Ehrenamtlich sind es 18 Mitarbeiter, hauptamtlich allerdings nur 3 Teilzeitkolleginnen für die Arbeit mit den Frauen und Kindern.

ED-live.de: Wie viele Frauen kommen denn jährlich zu ihnen?
Das sind in der Regel so zwischen 30 und 50 Frauen. Allerdings gibt es zur Zeit wenig Fluktuation, weil der Immobilienmarkt im Moment sehr schlecht ist.

ED-live.de: Das stimmt. Heutzutage ist es wirklich schwer, eine neue Bleibe zu finden. Können Sie sich an die längste Überbrückungszeit erinnern, die eine Familie bei ihnen war?
Ja, das waren ganze zweieinhalb Jahre! Aber die Frau konnte dafür nichts. Das hatte mit ausländerrechtlichen Fragen zu tun, weil das Ausländeramt so lange mit der Entscheidung auf sich warten ließ. Die Zeit hatte sie lediglich eine Fiktionsbescheinigung, die ihr die ihr den Aufenthalt in der BRD genehmigt, bis endgültig entschieden ist, ob sie eine Aufenthaltsgenehmigung erhält.

ED-live.de: Und wie lange darf man in der Regel bei Ihnen bleiben?
Da gibt es eigentlich die „Rahmenvereinbarung“. Das ist eine klare Regelung, die besagt, dass die Überbrückungszeit 6 Wochen nicht überschreiten sollte. Das funktioniert aber nur, wenn die Wohnungssuche vorher geplant wurde.
Frauenhaus Erding

ED-live.de: Kostet das die Frauen etwas?
Ja, da gibt es die Mietkosten in Höhe von ca. 10,-€, pro Tag. Bei Frauen, die kein Einkommen haben, übernimmt das Jobcenter die Kosten.

ED-live.de: Ist denn auch nachts jemand bei den Frauen?
Nein, da sind sie alleine. Allerdings können sie sich an die ehrenamtliche Rufbereitschaft wenden, falls Probleme auftauchen.

ED-live.de: Wird dort selbst gekocht?
Ja, es gibt eine Gemeinschaftsküche, in der sich die Frauen ihre Mahlzeiten selbst zubereiten. Generell sind die Frauen neben der Selbstversorgung für sich und die Kinder in allen Bereichen selbst verantwortlich. Zur Unterstützung neuer Bewohnerinnen, gibt es ein Patensystem. Dabei ist eine Frau, die schon länger im Frauenhaus ist, Patin eines Neuzugangs und sorgt sich dann besonders um sie, damit sie sich schneller einleben kann. Dies kann neben der Beratung und Betreuung durch die Sozialpädagoginnen sehr hilfreich sein.

ED-live.de: Das ist eine gute Sache! Und wodurch wird das Frauenhaus finanziert?
Einmal vom Landkreis Erding, dann zu 10% Eigenanteil des Trägers, der Regierung Oberbayern und die Mietanteile der Frauen kommen auch noch dazu.

ED-live.de: Haben die Frauen während ihres Aufenthalts einen geregelten Tagesablauf?
Das versuchen wir. Es gibt z.B.ein gemeinsames Hausfrühstück, eine Hausversammlung und soziale Gruppenarbeit. Diese 3 Termine pro Woche sind verpflichtend für die Bewohnerinnen.

ED-live.de: Was wird alles für die Kinder angeboten?
Wir haben eine Erzieherin, die sich um die Belange der Kinder kümmert. Diese können der Freizeitbereich, Hausaufgabenbetreuung, oder Feste für die Kinder sein. Aber auch individuelle Erziehungsberatung für die Mütter, Begleitung bei Terminen in der Schule, am Jugendamt gehören zu den Aufgaben der Erzieherin.

ED-live.de: Bis zu welchem Alter dürfen die Frauen ihre Kinder denn mitnehmen?
Mädchen bis zu unbegrenztem Alter und Jungen bis 12 Jahren. Für Jungs in der Pubertät ist das Frauenhaus leider nicht das richtige Angebot, denn sie brauchen auch männliche Ansprechpartner.

ED-live.de: Neben persönlichem Eigentum und Versicherungsunterlagen müssen die Frauen ja auch vieles mehr mitbringen. Was aber ist, wenn eine Frau spontan flüchtet?
Dann geht die Sicherheit vor und die Frau kommt ohne allem zu uns. Wir haben aber einen Notfundus, aus dem sich die Frauen z.B. Kleidung nehmen können, Toilettenartikel können wir aus Spenden zur Verfügung stellen, Lebensmittel sind vorhanden.
Wenn eine Frau alle ihre Sachen noch in der Wohnung hat, versuchen wir, diese mit Hilfe der Polizei herauszuholen.

ED-live.de: Was machen Sie eigentlich, wenn Sie mal überfüllt sind?
Wir haben oft Vollbelegung und müssen bei weiteren Anfragen an die umliegenden Frauenhäuser verweisen. Wir bieten aber immer Beratung durch unsere Interventionsstelle an, damit die Frau gleich Unterstützung erhalten kann. Es wollen auch nicht alle Frauen ins Frauenhaus, da sie z.B. die Wohnung dringend erhalten wollen. In diesen Fällen können wir auch versuchen, über das Gewaltschutzgesetz die Wohnung zu bekommen. Dann muss der Mann ausziehen. Oder eine Frau wartet, bis wir wieder einen Platz frei haben.

ED-live.de: Und wie viele Betten stehen Ihnen zur Verfügung?
Wir haben 5 Plätze für Frauen, d.h. fünf Zimmer. Die Frauen bringen ihre Kinder mit und bewohnen die Zimmer gemeinsam.

ED-live.de: Was glauben Sie, ist das schlimmste, was den Frauen wiederfährt?
Grundsätzlich macht jede Form von Gewalt krank. Bei häuslicher Gewalt sind immer Macht und Kontrolle vorhanden, dies macht den Gewaltkreislauf erst möglich. Dabei leidet das Selbstbewusstsein enorm, so dass die Frauen sich selbst nichts mehr zutrauen, oder selbst nichts mehr unternehmen um ihre Situation zu beenden.

ED-live.de: Gehen auch manche Frauen wieder zu ihren Männern zurück?
Ja, recht viele sogar, etwa ein Drittel. Meist trauen sie sich einfach nicht zu, alleine mit den Kindern zu leben. Dazu kommen das Versprechen des Mannes, nicht mehr zu schlagen und die Liebesbeteuerungen. …Leider hält das im Alltag nicht stand!

ED-live.de: Warum kehren die Frauen denn dann überhaupt wieder zurück?
Die meisten Frauen wollen die Familie erhalten, sie wollen sich nicht trennen, sondern, dass die Gewalt aufhört. Dazu bräuchten sie aber Hilfe von außen. Das Versprechen alleine reicht sicher nicht.

ED-live.de: Was gehört eigentlich zu dem Aufgabenbereich der Ehrenämter?
Unsere Ehrenämter sind für die Rufbereitschaft außerhalb unserer Bürozeiten an 365 Tagen rund um die Uhr zuständig. Folglich leisten alle Ehrenamtlichen auch Erstberatung oder machen Aufnahmen ins Frauenhaus, wenn dies nicht bis zum nächsten Werktag warten kann..Einige übern übernehmen auch Besuchsdienste am Wochenende oder zusätzliche Kinderbetreuung. Viele Ehrenamtliche sind selbst berufstätig. Bevor sie das Ehrenamt ausführen, werden alle geschult. Sie machen dann ein paar Termine durch ehe sie sich entscheiden, ob sie bleiben wollen und ob das Ehrenamt beim Frauenhaus etwas für sie ist.

ED-live.de: Eine gute Idee, dass man sich nicht sofort entscheiden muss, ob man das Ehrenamt ausführen möchte. Vielen Dank für das Interview!
Frauenhaus Erding

Kontaktmöglichkeiten direkt zum Frauenhaus Erding:
08081/1738

Kommentar von Hans Moritz zur aktuellen Situation im Frauenhaus Erding - "Machtmensch Bayerstorfer hat sich völlig vergaloppiert"

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